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Dienstag 18.04.2017

Arne Ruff und das Projekt Eintracht Braunschweig Futsal

Interview mit "Mister Futsal"

Arne Ruff gehört seit 2013 zu einem der engagiertesten Futsalenthusiaten der Republik. Der 1985 geborene Athlet hat eine sehr professionelle Einstellung zu Sport im Allgemeinen sowie zum Futsal im Besonderen. 2013 gründete der gemeinsam mit Bekannten den BFC Braunschweig. 4 Jahre nach der Gründung kommt nun, 2017, die Eingliederung in den traditionsreichen Club „Eintracht Braunschweig“. Mister Futsal hat mit Arne Ruff über sich, Futsal und seine Futsalprojekte gesprochen.

MF: Hi Arne. Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für ein paar Fragen rund um Dich und den Braunschweiger Futsal nimmst. Für Futsalinsider gehörst Du seit einigen Jahren zum festen Kern der Futsalcommunity in Deutschland. Trotzdem für neuere Futsal-Anhänger die Fragen: wie und wann bist Du zum Futsal gekommen und welche aktuellen „Funktionen“ begleitest Du?

AR: Hallo Mister Futsal. Vielen Dank für die Interviewanfrage. Ich bin 2013 mit der Gründung des BFC  Braunschweig zum Futsal gekommen.  Seit April bin ich Leiter von Eintracht Braunschweig Futsal, dort im Trainerstab tätig und Spieler. Außerdem bin ich noch bis zur Auflösung des Vereins 1. Vorsitzender des BFC Braunschweig. Beruflich bin ich Personal Trainer.

MF: Welches waren die Höhepunkte und Enttäuschungen deiner bisherigen „Futsalkarriere“?

AR:  Die größten Erfolge waren sicherlich der zweite Platz mit der Niedersachsenauswahl beim Länderpokal 2016 in Duisburg und die Niedersachsenmeistertitel 2016 und 2017 mit dem BFC Braunschweig. Höhepunkt für mich persönlich war die Nominierung  zum Sichtungslehrgang der Nationalmannschaft 2015 und es war gleichzeitig auch die größte Enttäuschung zu weiteren Lehrgängen nicht berücksichtigt zu werden.

MF: Nun aber zum Kernthema: der Eingliederung des BFC Braunschweig in den Hauptverein Eintracht Braunschweig. Wie und wann genau gründete sich der BFC Braunschweig?

AR: Wie fast alle in der deutschen Futsalcommunity habe auch ich meine Wurzeln im Fußball. Man muss wissen, dass mein Antrieb im Fußball immer war Profi zu werden. Als Kind und Jugendlicher habe ich täglich in kleinen Käfigbolzplätzen auf Asche gespielt bis die Lunge immer abends vom Staub gebrannt hat. Schon damals hat mich das Fußballspielen in der Halle und Futsal auf Eurosport fasziniert. Wenn andere feiern waren bin ich mit Bolzplatzkollegen Samstagnachts immer zum Mitternachtssport gegangen und wir haben dort in der Halle gezockt. Im Fußball-Herrenbereich hatte ich  nach einigen Jahren allerdings bei so vielen Vereinen in Norddeutschland gespielt, dass die Liste nicht mehr auf einen DINA 4 Zettel passte. Irgendwann musste ich dann feststellen, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht mehr zusammen passte und sich ein Motivationsverlust einstellte. Nach jahrelangem Oberligafußball habe ich dann 2013 zusammen mit  meinem langjährigen Fußballwegbegleiter und einem meiner besten Freunde Ole Wegener  beschlossen etwas Neues mit einem professionellen Anstrich zu starten und den BFC Braunschweig zu gründen. Der Beachsoccer & Futsal Club Braunschweig war der erste Futsalclub in der Region.

MF: Welches waren die größten organisatorischen Herausforderungen und die größten sportlichen Erfolge für den BFC in den vergangenen Jahren?

AR: Über die Zeit beim BFC Braunschweig müsste man eigentlich ein Buch schreiben. Wir haben den BFC  von 0, nein ich muss sagen von minus 10 aufgebaut. Wir hatten kein Logo, keine Mannschaft, keinen Wettkampf, keine Sponsoren und natürlich auch keine Hallenzeiten. Kaum jemand in Niedersachsen konnte zum Zeitpunkt der Gründung etwas mit Futsal anfangen. Wir haben Spielerakquise an der Uni, auf Bolzplätzen, bei Facebook, ach einfach überall betrieben. Zum ersten Training wussten wir dann natürlich nicht ob die Halle aus allen Nähten platzt oder ob gar keiner kommt. Es kam genau ein Spieler. Trotzdem war dieses Training historisch und ich kann mich noch so genau darin erinnern als ob es gestern gewesen wäre. Unsere Hallenzeiten mussten wir uns alle sehr hart erarbeiten. Lange Zeit hatten wir gar keine Hallenzeiten oder haben ausschließlich in einer Halle  trainiert, die die Ausmaße meines Wohnzimmers hatte.  Die größte Herausforderung für unser ehrgeiziges Futsal-Projekt war allerdings der fehlende Futsal-Wettkampf in Niedersachsen. Den einzigen Wettkampf den wir hatten war im Sommer Beachsoccer an der Küste Deutschlands. Aus diesen Gründen haben wir uns  Anfang  2015 dazu entschlossen  beim Hamburger Fußballverband in der Futsalliga Hamburg zu melden. Trotz der 400 Kilometer An- und Abreise pro Spieltag war diese Zeit die wertvollste für unseren Verein. Ohne diesen Wettkampf hätte der Verein nicht weiter überlebt. Innerhalb von drei Jahren sind wir seit der Teilnahme in Hamburg zweimal Niedersachsenmeister geworden und zu dem als Meister der Landesliga Hamburg in die Verbandsliga aufgestiegen. Darüber hinaus sind wir im Beachsoccer Niedersachsenmeister und Norddeutscher Meister geworden und haben uns 2015 für die deutsche Beachsoccermeisterschaft in Warnemünde qualifiziert. Keine Mannschaft aus Niedersachsen hatte dies zuvor erreicht. 2017 beim Futsal-Landesauswahlturnier war der Kader Niedersachsens mit neun BFC-Spielern bestückt. Wir können ohne Arroganz behaupten, dass wir den BFC zum Futsal-Aushängeschild Niedersachsens entwickelt haben. Und mit „Wir“ meine ich alle Spieler und Mitarbeiter des BFC Braunschweig!

MF: Wann und von welcher Seite gingen erste Impulse für eine Eingliederung des BFC in die Braunschweiger Eintracht aus?

AR: Die logische und konsequente Weiterentwicklung des BFC konnte nur die Angliederung an den größten und traditionsreichsten Verein Braunschweigs sein. Im Juli 2016 haben wir dann den ersten Kontakt zu Eintracht aufgenommen.

MF: Welche Sicht hat man bei der Eintracht auf den Futsal als eigenständige Sportart bzw. existierten bestimmte Vorurteile gegenüber Futsal bei der Eintracht?

AR: Nein, ganz im Gegenteil. Wir hatten sofort positive Gespräche und man hat das Potential des Futsals erkannt, sowohl als eigenständige Sportart aber auch als hervorragendes Förderinstrument in der Jugendarbeit des Fußballs. Außerdem waren die Verantwortlichen vom Erreichten beim BFC Braunschweig sehr angetan. Wenn wir kein positives Gefühl gehabt hätten, wären wir heute nicht bei der Eintracht. Dafür war und ist uns der BFC zu wertvoll.

MF: Welches sind die größten Erleichterungen/Vorteile und welches die größten Hoffnungen nach der Eingliederung?

AR: Eintracht Braunschweig hat eine riesen Strahlkraft die über die Region hinausgeht. Durch unsere Eingliederung bei Eintracht Braunschweig bekommt Futsal-Niedersachsen vielleicht sogar ganz Futsal-Deutschland einen Push. Mit diesem Schritt wollten wir nicht nur unsere sportliche Ausgangsposition verbessern, sondern ein wesentlicher Faktor in der Futsalentwicklung Niedersachsens sein und Deutschlands werden. Eintracht Braunschweig hat unglaubliche Fans. Wenn wir nur einen Bruchteil dieser Fanbase für Futsal begeistern können, haben es Vereine die zu einem Auswärtsspiel nach Braunschweig kommen schwer. Außerdem wollen wir weitere talentierte Spieler und engagierte Menschen für Eintracht Braunschweig Futsal und unsere Vision gewinnen. Die größten Erleichterungen werden sicherlich im organisatorischen Bereich liegen, auch wenn der  eine oder andere Vorgang nicht mehr direkt von mir, sondern von mehreren Personen entschieden wird. Wir können auf die gesamte Logistik von Eintracht zurückgreifen, was die Arbeit sehr erleichtert. Natürlich haben wir auch die Hoffnung, dass sich die Hallensituation bessert. Allerdings dürfen wir nicht glauben, dass uns nun, nur weil wir Eintracht Braunschweig heißen alles zufliegt.

MF: Welche Ziele hat die neue Futsalsparte der Braunschweiger Eintracht?

AR: Wir wollen den Verein und die Stadt langfristig zu einer nationalen Futsal-Hochburg entwickeln und etablieren und in Zukunft regelmäßig um die deutsche Meisterschaft mitspielen. Dazu gehört jedoch eine Weiterentwicklung in der Spitze und in der Breite wie z.B. der Aufbau einer zweiten Herrenmannschaft, einer Damenmannschaft, Jugendteams aber auch die Kooperation mit Institutionen, Futsal- und Fußballvereinen der Region. Diese Vision ist jedoch eng mit der Futsalentwicklung insgesamt verknüpft.

MF: Meinst Du, es kommt mal jemand von den Profis vorbei?

AR: Haha. Es würde der Sparte sicherlich nochmal einen Schub geben und ließe sich mit Sicherheit medial gut verkaufen. Mit Marcel Correia steht zumindest ein Portugiese im Profikader. Wir würden uns auf jeden Fall sehr freuen.

MF: Angenommen ein befreundeter Futsalenthusiast aus einer anderen Stadt würde Dich fragen, ob man erst einen eigenen Verein gründen oder gleich eine Abteilung in einem größeren Verein schaffen sollte. Was würdest Du ihm raten?

AR: Das ist sehr schwierig zu sagen. In unserem Fall war der gewählte Weg der absolut Richtige. Wir haben mit dem BFC zunächst einen erfolgreichen Verein aufgebaut, gefestigte Strukturen entwickelt und Futsal in Braunschweig etabliert. Außerdem hatten wir durch die Gründung eines eigenen Vereins kurze Entscheidungswege und freie Entscheidungsgewallt. Diese Vereinsstrukturen können wir nun in eine autonome Futsal-Sparte in der Fußballamateurabteilung bei Eintracht einfließen lassen. Die Vereinsgründung und -führung des BFC hat mich charakterlich enorm geformt und weitergebracht, allerdings hat sie mich auch enorm viele Tagen, Wochen und Nerven gekostet. Der BFC Braunschweig ist in meinen Augen ein absoluter Sonderfall, da wir den Verein in einer Zeit in Niedersachsen gegründet haben als es im Grunde für Futsal in Niedersachsen noch gar keinen Markt gab. Das hat die Arbeit enorm erschwert. Jeder der einen Verein gründet und ambitionierte Ziele hat muss wissen, dass dies mit unglaublich viel Arbeit verbunden ist.

MF: Nun noch etwas allgemeinere Fragen zur Futsalentwicklung in Deutschland. Welches sind die für Dich nächsten notwendigen Entwicklungsschritte in Deutschland?

AR: Ich denke sowohl beim DFB als auch in den Landesverbänden brauchen wir mehr Transparenz, Kommunikation und eine engere Zusammenarbeit mit den Vereinen, um letztendlich den Futsal gemeinsam weiterzuentwickeln. In den Verbänden wären dafür hauptamtliche Mitarbeiter, die sich ausschließlich um Futsal kümmern, von großer Bedeutung. Außerdem brauchen wir dringend Futsal-Trainerlizenzen um Trainer aus- und weiterzubilden, damit gewisse Futsal-Basics sichergestellt sind. Man muss die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren, um Futsal in der Breite aber auch in der Spitze zu fördern. In Norddeutschland ist die Regionalliga Nord elementar, um den Futsal in der Spitze weiterzuentwickeln. Außerdem gilt es weitere Lösungen zu entwickeln, um der limitierenden Hallenproblematik zu entgehen.

MF: Wo siehst Du den deutschen Futsal in drei Jahren?

AR: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Eins steht für mich jedoch fest. Futsal ist eine überragende Sportart, die das Potential dazu hat auch im Fußballland Deutschland ganz groß zu werden.

MF: Wir danken Dir für deine wertvolle Zeit und wünschen Dir und der  Futsalsparte bei Eintracht Braunschweig eine positive Entwicklung in den kommenden Jahren.

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