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Dienstag 25.09.2018

Fiemme Rollerski Cup

Auf Tuchfühlung mit der Skimarathon-Weltspitze

(pl) Am 16. September führte die Herausforderung einige Einträchtler bis nach Italien ins Val die Fiemme. Das Tal rund um Lago di Tesoro gilt als eine Pilgerstätte des Skilanglaufs: Mit dem Marchialonga findet dort nicht nur ein überaus fordernder Skimarathon von 70 km Länge durch die Ortschaften, die finalen Etappen der „Tour de Ski“ locken darüber hinaus alljährlich die besten Weltcupläufer. Schon jetzt berühmt wie berüchtigt ist die Schlussetappe der Tour de Ski, deren Ziel auf der Mittelstation der Alpe Cermis liegt, deren 400 Höhenmeter die Athleten auf nur 3 km bezwingen müssen.

Diese besondere Herausforderung ist seit kurzer Zeit auch auf Rollski zu erleben. Über 50 km werden Rad- und Höhenwege im Val di Fiemme von Rollskiläufern aus halb Europa belaufen. Das Ende des Rennens liegt ebenfalls auf der Alpe Cermis, die in diesem Fall über die asphaltierte Versorgungsstraße erklommen wird. Der Rollski-Marathon ist zudem Teil einer Weltcupserie, sodass zahlreiche große Namen der Skimarathon-Szene vertreten waren, es gibt aber auch ein „Jedermann“-Rennen.

Drei mutige Einträchtler waren in diesem Jahr am Start der zweiten Auflage des „Fiemme Rollerski Cups“. In der Eliteklasse waren Tobias und Fabian Hartig gemeldet, Paul Lüneburg lief dieselbe Strecke im Jedermann-Rennen. Begleitet und unterstützt wurden die drei dabei von Dirk Debertin, der seine Expertise aus dem Debüt im Vorjahr zur Verfügung stellte.

Um Punkt 9 Uhr war Start des Elite-Feldes, die mit gestellten Rollern und somit gleichen Bedingungen auf die Strecke geschickt wurden. 20 Minuten dahinter startete das Jedermann-Feld, denen die Rollerwahl freigestellt war.

Als einer der wenigen war Paul nicht mit Speedrollern unterwegs, sondern auf Trainingsrollern. Schon nach den ersten 6 km, die nicht steil, aber kontinuierlich bergauf führten, war der Kontakt zum besser bereiften Feld verloren und Paul musste von da an sein eigenes Rennen laufen.

Auch Fabian war zu diesem Zeitpunkt auf sich gestellt, nach dem Gefällewechsel nach 6 km verpasste er den Antritt der Spitzengruppe und war bis km 10 alleine unterwegs. Die herannahende Spitzengruppe der Damen ermöglichte ihm etwas Erholung im Windschatten und er konnte bis zum ersten Zwischenanstieg nach 22 km mit der Gruppe mitlaufen.

Tobias, der noch an den Auswirkungen einer Erkältung laborierte, hatte auf den ersten 20 km schon etwas Zeit auf das Feld verloren, hatte aber am Anstieg nach 22 km das Glück, mit Franziska Müller, der besten Deutschen Dame im Elitefeld mitlaufen zu können und sogar mit verpflegt zu werden. Fabian und Tobias konnten ihre Gruppe bis zum Schlussanstieg halten.

Als Paul am Zwischenanstieg ankam, waren die Verfolger hinter ihm wie auch das Feld vor ihm außer Sichtweite. Die 250 Höhenmeter konnten gut und flüssig im Diagonalschritt absolviert werden, auch wenn sich der Technikwechsel bereits in der Muskulatur bemerkbar machte. Bei km 30 war der Doppelstock-Rhythmus jedoch wiedergefunden und man konnte auf dem sanft abfallenden Höhenweg die Aussicht über das malerische Tal genießen. Bis km 45 konnte Paul das Tempo halten und lief dort nach 2:18 Stunden durch, was trotz des Zwischenanstiegs eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 20 km/h entspricht.

Deutlich schneller war Fabian unterwegs. Klar in unter 2 Stunden passierte Fabian die 45 km-Marke, getrieben von den führenden Damen Justina Kowalczyk und Astrid Oyre Slind. Im Schlussanstieg musste Fabian den Profis dann den Vortritt lassen, dennoch lief er mit einer Fabelzeit von 2:16 Stunden ins Ziel! Mit Platz 32 platziert Fabian sich in mitten der Skimarathon-Elite, Läufer von Rang und Namen, die ihr Geld mit Skilanglauf verdienen, finden sich zum Teil hinter Fabian wieder! Auf den Sieger des Tages, Tord Asle Gjerdalen, hatte Fabian nur 15 Minuten Rückstand, ein hervorragendes Resultat.

Ungefähr zur selben Zeit als Fabian ins Ziel lief, ging Tobias in den 3,5 km langen Schlussanstieg. Schon vorher angeschlagen, ging er im brutal harten Anstieg gänzlich „blau“. Einigen Pausen zum Trotz, von denen zwei zum Übergeben genutzt wurden, zog Tobias das Rennen durch und erreichte nach rund 2:54 Stunden das Ziel.

Nur etwas besser ging es Paul, der nach 2:22 Stunden Laufzeit in den Anstieg ging. Die bereits vorbelastete Muskulatur wurde auf dem Weg zur Alpe Cermis an ihre Grenzen gebracht. Die letzten 500 Meter wurden gar ohne Stockeinsatz zurückgelegt, die Schmerzen in den Schultern waren nicht mehr auszuhalten. Trotz allem war auch Paul nach etwa 2:52 Stunden im Ziel.

Man war sich übergreifend einig, dass der Anstieg so ziemlich das Anstrengendste war, was man in den letzten Jahren mitgemacht hat. Das T-Shirt, das jeder Teilnehmer bekommen hat, war definitiv mit großem Schmerz erkauft.

Wirklich zufrieden war nur Fabian mit seiner Leistung, die anderen beiden Läufer haderten mit ihrer Performance am „Final Climb“, wie der Anstieg auf die Alpe Cermis groß beworben wird. Ein Makel, der nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr ausgeräumt werden soll. Dann aber ohne Brechpausen oder vor Schmerzen unbewegliche Muskulatur im Ziel.

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