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Samstag 08.01.2022

Im Gespräch mit Anton Schaper

Für mich war von Anfang an klar, dass ich für Eintracht und den NSV starte

(jv) Nach langer Zeit wir hiemit unsere Interviewreihe "Im Gespräch mit ..." fortgesetzt. Heute ist Anton Schaper dran, der erste Einträchtler, der es geschafft hat, für einen Kader des Deutschen Skiverbandes nominiert zu werden. Der noch 16jährige lebt und trainiert mittlerweile in Oberhof und hat von dort einige interessante Dinge zu berichten.

Frage: Hallo Anton, wo bist du gerade und wie geht es dir?

Hallo Jan, gerade bin ich unterwegs nach Ramsau am Dachstein zu einem kurzfristig angesetzten Trainingslager, wegen Schneemangels in den Mittelgebirgen. Während der langen Fahrten habe ich Zeit, mich mal um den Papierkram zu kümmern.

Frage: Seit gut einem Jahr lebst und trainierst du am Skigymnasium in Oberhof. Vorher hast du ein Jahr im Skiinternat Harz verbracht und dort mit den Läufern des niedersächsischen Biathlonkaders zusammen trainiert. Wie unterscheidet sich das Leben im Thüringer Wald von dem im Harz?

Grundsätzlich habe ich in Clausthal eine super Internatsgemeinschaft und ein tolles Trainerteam erlebt. Ich habe mich im Harz sehr wohl gefühlt. Für mich war das Schuljahr in Clausthal ein Schritt, der zu meinem bisherigen Werdegang super gepasst hat und den ich auch so immer wieder gehen würde.
Für meinen damaligen Trainingsstand ließ sich ein Kombitraining mit den Biathleten in Absprache mit dem Langlauftraining in Buntenbock sehr gut vereinbaren. Es gab viele Leute/Eltern die mich netterweise in Fahrgemeinschaften mitgenommen haben und Sven und Thorsten Münch haben meine Trainingsbedürfnisse beim Kadertraining immer gut angepasst.
In Clausthal war ich außerdem noch nicht ganz so fern der Heimat und konnte auch mal testen, wie mir das Internatsleben gefällt.
Letztendlich war für mich der Wechsel nach Oberhof aber doch notwendig, weil mir eine leistungsgerechte Skilanglauf-Trainingsgruppe mit einem auf die Skilanglaufwettkämpfe abgestimmten langfristigen Trainingsprogramm fehlte.
Daher ist der Wechsel nach Oberhof für mich wichtig gewesen. Ein Vorteil ist, dass ich nun in einer guten Trainingsgruppe mit 8 leistungsstarken Jungs der U18 bin. Das Training wird von ein bis zwei hauptberuflichen Trainern durchgeführt/organisiert. Ein großer Vorteil ist aber auch die nahe Skihalle und sonstige Trainingsstätten, die in der Kombi nur in Oberhof zu finden sind.
Der Schulwechsel vom Niedersächsischen ins Thüringische Schulsystem war nicht ganz ohne, da der Lernstoff und das System sehr unterschiedlich sind. Aber inzwischen habe ich mich gut arrangiert. Das Abi wird für Internatsschüler auf drei Jahre gestreckt und ich habe jetzt in der 11. Klasse bereits meine Leistungskurse belegt. Im Winter ist meine Klasse fast nie vollständig, da immer jemand bei einem Wettkampf ist. Das Internat Clausthal war mit ca. 10 Schülern sehr familiär und WG-mäßig. Das Internat in Oberhof beherbergt etwa 190 Athleten verschiedenster Wintersportarten. Jede Etage eine Sportart. Die Zimmer sind sehr klein und das Essen kommt aus einer Mensa-Küche.
Ich komme mit den Bedingungen sehr gut klar und fühle mich in Oberhof wohl, da ich sehr coole Zimmer- und Trainingskollegen habe.

Frage: Die ersten Ergebnisse der Saison zeigen, dass ihr in eurem Jahrgang eine außerordentlich starke Trainingsgruppe seid. Zu Hause hast du immer als einer der stärksten herausgestochen. Ist es eine Belastung, sich immer wieder durchsetzen zu müssen oder schwimmt man da eher im Windschatten mit?

Die starke Leistungsdichte meiner Trainingsgruppe hat Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehört, dass ich durch meine starken Kollegen an neue Limits gepusht werde und dass das Training in einer Gruppe Gleichgesinnter deutlich mehr Spaß macht. Aber natürlich sind meine Trainingspartner auch gleichzeitig meine Konkurrenten, gegen die ich mich immer wieder beweisen und durchsetzen muss.
Schon kleine Fehler wie die Wahl des falschen Skis oder der Wettkampftaktik  können Plätze kosten.  Das musste ich kürzlich beim Saisonauftakt in Seefeld erfahren.
Die Plätze für den Bundeskader sind begrenzt und dadurch entsteht natürlich ein gewisser Leistungsdruck, mit dem ich aber bisher gut umgehen kann.

Frage: Hast du dir für diese Saison konkrete Ziele gesetzt? Inwieweit stimmen die auch deine Trainer mit dir ab?

In erster Linie setze ich mir selber die Ziele. Mit den Trainern stimme ich aber immer ab, wie realistisch die Ziele sind. Vor jedem Wettkampfwochenende besprechen wir die individuelle Zielstellungen in der Trainingsgruppe.
Mein Hauptziel für diese Saison ist wieder einen Platz im NK2 Kader zu erlaufen. Ferner ist ein Start bei den OPA-Games in Italien mein Ziel. Hierzu müsste ich in die Top 3-5 meiner Einzel-AK laufen.

Frage: Viele Sportler, die nach Oberhof wechseln, werden auch Mitglied in einem der lokalen Skivereine. Du startest aber weiterhin für die Eintracht. Wirst du deshalb manchmal als Nordlicht belächelt?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich für Eintracht und den NSV starte. Einer der nördlichsten Langläufer in Deutschland zu sein und meinen Heimatverein vertreten zu dürfen macht mich stolz. Von Eintracht und dem NSV habe ich jede erdenkliche Unterstützung bekommen, um diesen Weg zu gehen. Ich möchte dem Verein auch etwas zurückgeben und hoffe, auch mal ein gutes Vorbild für jüngere Sportler zu sein. Natürlich gibt es da immer mal kleine Neckereien, aber natürlich nur im freundschaftlichen Rahmen.

Frage: Wie häufig bist du eigentlich auf „Heimatbesuch“ und wie gelingt es dir, deine Kontakte nach Braunschweig aufrecht zu erhalten? Immerhin hast du dort deinen ganzen bisherigen Freundeskreis zurückgelassen.

Wie oft ich nach Hause komme, hängt von der Trainingsperiode ab. Im Frühjahr und Frühsommer bin ich fast jedes Wochenende zuhause. Gegen Herbst nehmen Trainingsrennen und Wettkämpfe zu, so dass ich ca. alle zwei Wochen und im Winter alle drei Wochen nach Hause komme.
Die Trennung von Familie und Freunden ist der härteste Teil beim Wechsel nach Oberhof gewesen. Natürlich kann ich leider nicht mehr zu allen Freunden intensiven Kontakt halten aber meine wichtigsten Freunde treffe ich so oft wie möglich und telefoniere mit ihnen. Natürlich ist mein Weg auch nur durch den vollen Einsatz meiner Mutter möglich. Sie organisiert sehr viel im Hintergrund und hält mir den Rücken frei. Ich glaube, dass sportliche Spitzenleistungen nur möglich sind, wenn man ausgeglichen ist und einen guten Rückhalt durch die Familie hat. Zum Glück erleichtern soziale Medien das Kontakthalten sehr.

Frage: Deine Trainingskollegen in Oberhof kommen zum größten Teil aus der dortigen näheren Umgebung und können sicher mehr Zeit bei ihrer Familie verbringen als du. Wie verbringst du dann die Zeit am Internat?

Um es mit Arnd Peifers Worten zu sagen: „Wer hart trainiert, muss auch hart chillen können“.  Wenn sich die Heimfahrt nicht lohnt, da nur der Sonntag frei ist, gucke ich zum Beispiel mit meinem Zimmerkollegen Tristan Wenzel gerne Formel eins oder Wintersportwettkämpfe an. Wenn wir mehrere freie Tage haben drehen wir aber auch gerne mit einem der Jahreszeit angepassten Trainingsmittel eine Runde durch den schönen Thüringer Wald. Vor allen Dingen im Winter nutzen wir gerne freie Tage für Touren oder den Bau einer Schanze.
Tristan kommt aus der Schweiz aber die meisten anderen Sportler kommen aus der Umgebung und können an freien Tagen immer nach Hause fahren.
Eine Heimfahrt nach Braunschweig dauert mit dem Zug oder mit dem Auto etwa 4 Stunden und lohnt sich dem zufolge nur bei etwas längeren Aufenthalten zuhause.

Frage: Zurück zur Saison. Im Dezember bist du mit einem 14. Platz in den Deutschlandpokal gestartet. Mitte Januar geht es in Reit im Winkl weiter. Was hast du dir vorgenommen und was steht für euch bis dahin noch auf dem Programm?

Der 14. Platz war für den Einstieg OK, aber bei den nächsten Wettkämpfen sollte trotzdem noch etwas mehr möglich sein. Im Distanzbereich möchte ich in Reit unter die Top Ten kommen. Auch beim Sprint möchte ich mich noch verbessern.
Vor Reit werden noch zwei Trainingswettkämpfe in Ramsau stattfinden. Das Training mit den Hauptumfängen ist nun durch. Jetzt kurz vor den Wettkämpfen werden wir nur noch kürzere Vorbelastungseinheiten absolvieren.

Frage: Zu guter Letzt, wie ging es bei dir eigentlich los mit dem Skilanglauf und wann reifte bei dir der Gedanke, diese Sportart mit einer derartigen Ernsthaftigkeit zu betreiben?

Eigentlich wurde ich fast auf der Loipe geboren. Im Bauch meiner Mutter habe ich die ersten Trainings-Kilometer bis wenige Tage vor der Geburt mitgemacht. Im Kleinkindalter stand ich das erste Mal mehr zum Spaß auf Skiern und nahm erfolgreich an den Vereinsmeisterschaften beim Skiclub Torfhaus teil. Bis zu meinem 11. Lebensjahr war aber Fußball meine Hauptsportart. Durch meine damalige Schule (HVF), habe ich über die Ski-AG an einem Lehrgang in Oderbrück teilgenommen. Das Skilaufen hat mir sehr viel Spaß gemacht und die Trainingsgruppe war super. Ich war sofort so überzeugt das ich direkt dem Verein beitrat. Außerdem habe ich schnelle Fortschritte beim Skilaufen gemacht und hatte schon bald Erfolge in Wettkämpfen.
Meine ersten Vorbilder waren meine Eltern, die früher selbst erfolgreiche Sportler waren. Auch im Verein fand ich gute Vorbilder und Trainer, die mich immer gut beraten und unterstützt haben.
Die erste Überraschung war für mich die Einladung von Thorsten Münch in den Niedersachsen-Kader direkt in meiner ersten Saison bei Eintracht. Den ersten unverhofften größeren Erfolg hatte ich mit 12 Jahren beim deutschen Schülercup, der im Harz ausgetragen wurde.
Nach zwei Trainingsjahren konnte ich mit der Deutschen Spitze in meiner AK mithalten und der Wunsch es ganz nach oben an die internationale Spitze zu schaffen wuchs.
Der härteste Teil war es aber meine Mutter von diesem Weg zu überzeugen. Langlauf ist ein unglaublich aufwendiger Sport sowohl zeitlich als auch finanziell. Ohne eine gewisse Aufopferung an den Sport ist es nicht möglich in die Spitze zu kommen. Letztendlich ließ sich meine Mutter aber auch überzeugen und unterstützt mich auf jegliche Weise. ????
Ich hoffe das ich diese Saison durch gute Ergebnisse auch etwas zurückgeben kann und sich die harte Arbeit auszahlt.

Anton, vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Wir wünschen dir für die Saison weiterhin viel Erfolg!

Foto: privat

 

 

 

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